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Olaf Scholz, unser eingebildeter Antiheld

In einem Interview mit Cherno Jobatey (Focus.de) stellt sich Olaf Scholz den Fragen des Publikums. Dabei sorgt er dafür, dass die Zuhörer ein völlig falsches Bild von der Aktienanlage erhalten. Schwache Leistung zwischen Leugnen und Unwissen. Eine Analyse von der Renten-Rendite bis hin zu Meinungen anderer Länder.

www.youtube.com/watch?v=rvf-2uSSnAk

Hier die für relevanten Zitate in Bezug auf Aktien und gesetzlicher Rente.

7:49
Ich weiß ich werde weniger Rente als meine Eltern bekommen, … meine Chancen stehen nicht so gut wie früher. Helfen Sie mir, was würden Sie mir raten?

…finde ich, wird es für die allermeisten von uns auch in Zukunft darauf ankommen, dass wir eine sichere Altersvorsorge haben, auf die wir uns verlassen können. Das ist nun mal die gesetzliche Rente und das ist ein System, dass auch gar nicht so schlecht funktioniert. Manche die in den letzten Jahrzehnten gesagt haben, sie würden da am liebsten rausgehen, weil die Rendite bei privaten Geldanlagen besser ist, stellen jetzt fest: keineswegs sicher. Wer sich für die gesetzliche Rente entschieden hat und alles dafür getan hat, fährt im Vergleich dazu gegenwärtig besser.

Es wird sehr deutlich, dass er annimmt, dass die gesetzliche Rente besser rentiert als andere unsichere Anlageklassen. Einen Rat sehe ich nicht, außer, mach nichts, die gesetzliche Rente ist gut!

19:00
80% der deutschen stehen der gesetzlichen Rente skeptisch gegenüber, … warum machen wir es nicht wie die Norweger, sie zahlen Ihre Einnahmen in einen Staatsfonds ein, aus dem die Renten bezahlt werden. Die Rendite liegt bei 5,9% im Jahr, das ist mehr als der Dax abwirft … Rendite in der deutschen Rentenversicherung gibt es nicht. Herr Scholz, was können wir von den Norwegern lernen?

Gar nichts. Wir haben kein Öl, oder jedenfalls nicht genug … sie sagen sogar, weil wir so ein kleines Land sind, legen wir das Geld überhaupt nicht in Norwegen an, sondern in der ganzen übrigen Welt, weil wenn wir es in Norwegen anlegen würden, würden nur alle Preise teurer, niemand könnte sich mehr ein Haus leisten, alles würde unbezahlbar werden, das haben die schon klug gemacht … und das System, der Sozialversicherung, dass wir haben … hat alle möglichen Katastrophen überlebt, weil sie immer sofort funktioniert … Das glaube ich ist ein viel stabileres System, und das hat übrigens eine gegenwärtig bessere Rendite als die meisten Aktienfonds, insofern funktioniert das auch, das soll man sich mal nicht schlecht reden lassen.

Mir selbst ist nun nicht ganz klar, warum eine Aktienanlage in einem direkten Zusammenhang mit teureren Gütern stehen soll. Gemeint ist wohl eine Inflation. Vielleicht meint Herr Scholz, dass der norwegische Staatsfonds der nur in norwegische Unternehmen investiert so funktionieren würde, dass die norwegischen Unternehmen in irgend einer Form subventioniert werden. Davon abgesehen, dass ein höherer Aktienkurs beim großflächigen Erwerb von Aktien im Freiverkehr den Unternehmen eine Finanzierung von Krediten erleichtert, hat das Kaufen von Aktien jedoch keinen Einfluss auf die Inflation. Wenn, dann umgekehrt.

22:29
Die Niederlande sind nicht so reich wie Norwegen, die machen das auch mit dem Kapitaldeckungsverfahren und dem Staatsfonds … Sie haben es jetzt so beschrieben, dass es sich für uns sehr gut ausgeht, … ist es nicht so, dass man einen Staatsfonds oder Ähnliches nicht zumindest mal andenken muss?

Klare Antwort: Nein, ich finde nicht richtig, dass wir unser funktionierendes System der Alterssicherung infrage stellen. Es hat sich bewährt, das müssen wir immer weiterentwickeln, wir müssen dafür sorgen, dass es stabil bleibt aber das können wir auch. Und wenn man ein solches System entwickelt hat, einfach aufzuhören und so zu tun als könnte man sich irgendwie ein komplett Neues daneben ausdenken, das macht keinen guten Sinn.

Also will Herr Scholz nicht einmal darüber nachdenken. Er will an einem System festhalten und erwägt auch keine Ergänzung, denn keiner hat die Absicht eine… nein, ich meine… keiner wollte die gesetzliche Rente ersetzen.

26:10
Normalerweise müssten Sie mit sehr gutem Beispiel vorangehen, wie erklären Sie es, dass Sie selbst ein Sparkonto haben, statt in Unternehmen zu investieren, wo die Rendite in den nächsten Jahren mit Sicherheit positiver ist, als sie auf einem Festgeldkonto ist oder auf einem normalen Sparbuch?

… ich lasse alles auf dem Sparbuch … Es juckt auch nicht manchmal in Aktien zu investieren, ich will aber ausdrücklich sagen: Es ist aber klug es anders zu machen als ich, da empfehle, ich auch allen sich damit zu beschäftigen … es ist besser sein Geld nicht auf dem Sparbuch anzulegen aber ich habe es für mich … aus Zeitgründen so gemacht, aber ich muss ja jetzt nicht in allem ein Vorbild sein.

Das erklärt, den vielleicht überspitzten Titel dieses Blogbeitrags. Trotzdem darf man zumindest festhalten, dass er befürwortet, wenn sich eine Einzelperson mit dem Thema beschäftigt.

Eingebildet

abwertend: sich überlegen fühlend; übertrieben stolz auf die eigene Person sein; eigene Eigenschaften, Fähigkeiten oder die soziale Stellung als soviel besser ansehen, dass man es einem anderen auch zeigt

https://de.wiktionary.org/wiki/eingebildet

Antiheld

Hauptfigur, die als Gegenentwurf zum traditionellen, aktiv handelnden, positiven Helden oft passive, resignative, mutlose Züge trägt, aber sich trotz dieser Schwächen auch unter ihren (ungünstigen, widrigen) Lebensumständen (oft auf tragikomische Weise) bewähren kann und die Sympathie des Rezipienten gewinnt

https://www.dwds.de/wb/Antiheld

Stimmt es, dass die gesetzliche Rente gegenwärtig besser rentiert als die Aktienanlage?

Es stimmt definitiv, wenn man den Vergleich zu „manche Fonds“ wählt, denn natürlich gibt es Fonds, die schlechter rentieren. Es geht hierbei aber um einen sinnvollen Vergleich, also nehmen wir den MSCI World Index und vergleichen ihn mit der gesetzlichen Rente. Zudem nennt er keine genauen Zeiträume, da aber die Rentenzeit meist nach Jahrzehnten relevant wird und Herr Scholz ebenso von Jahrzehnten redet, vergleichen wir auch Jahrzehnte miteinander. Vielleicht meint Herr Scholz auch den DAX, also vergleichen wir auch diesen.

Wie hoch rentiert die gesetzliche Rente?

In der Fragestellung zu Norwegen erwähnt die Sprecherin, dass die deutsche Rentenversicherung gar keine Rendite hat, Herr Scholz spricht aber von einer Überrendite, darum habe ich versucht herauszufinden wie die „sichere Rente“ rentiert. Da das Rentensystem ein Leben lang Rente auszahlt ist das eine Variable, die wir mit einbeziehen müssen. Die Höhe der Einzahlung ist (fast) irrelevant, da wir %-Renditen vergleichen.

Die Studie von Forschern des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung ist hier ein Anhaltspunkt aus November 2020. Sie berechnen nach Steuern (was super nervig ist, denn das erzeugt beim Vergleich einen neuen Spielraum, den ich aber der Vollständigkeit halber abbilden möchte, um einen seriösen Vergleich herzustellen).

Für die Berechnung der Rendite der gesetzlichen Rente, nehme ich laut der Studie eine Rendite von 2,1% bis maximal 3,6% an. Bei mittlerem Einkommen und auf Basis von 80% der Beiträge kommt die Studie auf 3%. Da hier ein Rentenbeginn von 67 Jahren und die statistisch höhere Lebensdauer von Frauen angenommen wird empfinde ich die Herangehensweise als plausibel. Ältere Studien vom Handelsblatt 2014 oder Gasche 2008 kommen auf minimal 2,7% und maximal 3,6%, was die Zahlen für mich plausibel macht.

Für die Berechnung nehme ich an, dass EUR 500,00 in die Rentenkasse einbezahlt wird. Da das ein simples Beispiel ist, nutzen wir einen Zinsesszinsrechner und generieren die Ergebnisse.

Der Vergleich zum MSCI World Index

Hier ist es nicht so einfach, wir bemühen dazu Portfolio Performance und simulieren eine monatliche Anlage von jeweils EUR 500,00. Um die Vergleichbarkeit herzustellen, gehen wir auch hier davon aus, dass die Rente mit 67 begonnen wird. Die Renten-Studie ist clever aufgebaut, sie ergibt zwar die %-Rendite, sie ist aber auch das Resultat von unterschiedlichen Profilen, denn Verdienste ändern sich mit der Lebenszeit. In der Studie steht:

Bei den Typen 1 und 2 gehen wir von einem Erwerbsbeginn im Alter 20 und bei Typ 3 im Alter 25 aus. Das Rentenzugangsalter wird auf 67 Jahre gesetzt, d. h. ohne abschlagsfreien früheren Ausstieg

DIW Studie Seite 21 https://www.boeckler.de/de/faust-detail.htm?sync_id=9122

Jedoch konnte ich in der Studie keine konkrete Lebenserwartung finden, die angenommen wurde. Daher beziehe ich mich auf das Statistische Bundesamt. Aktuell haben wir eine Lebenserwartung von 83,4 Jahren für neugeborene Mädchen. Hier hinkt mein Vergleich etwas, da ich in der Studie keine Rechengrundlage gefunden habe und man annehmen könnte, dass eine andere Lebenserwartung herangezogen wurde. Wenn dem so ist, dann könnte eine Lebenserwartung von 81,7 Jahren bereits eine Berechnungsdifferenz von 10% zur Rendite ausmachen. Ich freue mich über jeden hilfreichen Kommentar! Eine längere Lebenserwartung (was zumindest der langfristige Trend zu sein scheint) würde demnach dafür sorgen, dass die Rendite der Rentenversicherung sich rechnerisch verbessern wird (wobei die Realität eine Verschlechterung nahelegt, da es sich ja um einen Rententopf handelt, der nicht unendlich durch Steuergelder befüllt werden kann, um die Rendite zu erhalten) und umgekehrt. Daher gehe ich zugunsten der Rentenversicherung von den aktuellen Zahlen aus. In Bezug auf das Einzahlverhalten basiere ich auf folgender Grafik aus der Studie:

DIW Studie https://www.boeckler.de/de/faust-detail.htm?sync_id=9122 Seite 22

Das versuche ich nachzubilden, indem ich annehme, dass die ersten 4 Jahre 80% der Vergleichssumme gespart werden, daraufhin dann jeweils mit 100% weiter gespart wird um das steigende Gehalt mit dem Alter abzubilden und in der Tendenz eher wohlwollend für die gesetzliche Rente zu rechnen. Das ergibt folgende Annahmen:

  • Bespart werden 500€ (bei der Aktienanlage 4 Jahre lang 400€). Dadurch wird bei der Aktienanlage auch EUR 4.800,00 weniger Kapital investiert
  • Gespart wird 47 Jahre
  • Der Renditevergleich sieht laut Studie EUR 0,00 Rest-Kapital zum Ende der durchschnittlichen Lebensdauer vor, wir berechnen jeweils ein Restkapital bei der Aktienanlage bei gleicher Rentenhöhe wie beim besten Renten-Fall und zum Vergleich die abweichende Rentenhöhe, wenn das Kapital zum Lebensende aufgebraucht sein sollte.
  • Das Lebensende tritt 16 Jahre und 5 Monate nach dem Rentenbeginn ein.
  • Es wird zurückgerechnet ab heute (01.02.2021), da Märkte jedoch schwanken, wird auch verglichen mit einem Aktienkurs wie wir Ihn am Tiefpunkt des Corona-Crashs gesehen haben, auch wenn das nicht relevant ist, da sowohl die Sparphase, als auch die Entsparphase langfristig ist und somit beide Zeitpunkte im Kurs geglättet werden.
  • Grundlage ist der MSCI-World Index und kein spezielles Produkt (aufgrund fehlender historischer Daten), zur Vereinfachung ist eine Transaktionskostenhöhe von 2% angenommen (das beinhaltet dann auch die ETF-TER, denn es wird durchgehend gekauft und die Kosten sind eher hoch angesetzt)
  • Die monatliche Auszahlung berechnet sich aus 197 monatlichen Zahlungen
  • Da die Rendite der Renten-Studie nach Steuern und Krankenversicherung berechnet ist rechnen wir mit 50% Steuerlast auf unsere monatliche Aktienentnahme, auch wenn es deutlich weniger sein dürfte durch Freibeträge oder weil nicht jeder den Höchststeuersatz hat.
Renteneintritt
01.02.2021
Ø Jahr Renteneintritt
Kapital €
Monatliche
Rente €
Lebensende
Kapital €
Gesetzliche
Rente
3,6%736.098,87 3.833,850,00
2,1%480.245,522.501,280,00
MSCI-World7,05%1.936.754,263.833,85803.850,601
6.554,150,001
DAX7,7%2.379.058,953.833,851.246.155,291
8.050,960,001
1) Bei dieser Betrachtung wurde angenommen, dass sich die Aktienindizes nach dem Renteneintritt nicht mehr verändern.

Ok, Ok, ich höre schon die ersten Stimmen die völlig zu Recht einwenden, dass da was nicht stimmen kann, denn sie erhalten auch bei einer Einzahlsumme von ca. EUR 500,00 bei weitem keine EUR 3.833,85. Ja, darum soll es aber auch nicht gehen, die Studie sagt, die Rendite liegt bei ca. 3%, dann rechnen wir doch damit, auch wenn es uns hoch erscheinen mag. Nun kann man zum heutigen Tag aber auch einwerfen, dass die Märkte ja aktuell (wie so oft) gut gelaufen sind. Also machen wir ein Experiment.

Was wäre, wenn das Corona-Tief, der Moment wäre in dem wir unser ganzes Geld nehmen und aus den Märkten ziehen?

Was hatten wir dann für eine Rendite und was wäre dann die Restsumme zum Lebensende?

Dazu definieren wir den Tiefpunkt als 23.03.2020. Alle anderen Berechnungen bleiben gleich. Das war der absolute Tiefpunkt des Crashs. Mehr zur unbegründeten Angst vor Crashs.

Renteneintritt
23.03.2020
Ø JahrRenteneintritt
Kapital
Monatliche
Rente
Lebensende
Kapital
Gesetzliche
Rente
3,6%736.098,87 3.833,850,00
2,1%480.245,522.501,280,00
MSCI-World5,54%1.216.064,003.833,8583.167,231
4.115.280,001
DAX6,47%1.619.944,973.833,85487.048,211
5482,050,001
1) Bei dieser Betrachtung wurde angenommen, dass sich die Aktienindizes nach dem Renteneintritt nicht mehr verändern und bei der schlecht möglichsten Wertstellung des Corona-Tief bleiben.

Also, selbst zum ungünstigsten Zeitpunkt schneidet die Aktienanlage erheblich besser ab als selbst der Best-Case in der gesetzlichen Rente, selbst mit einem 50% Steuersatz und selbst ohne Dividenden beim MSCI-World und obwohl bei der Aktienanlage EUR 4.800,00 weniger Kapital investiert wurde. Und obwohl auch bei der gesetzlichen Rente laut der Studie anfangs weniger einbezahlt wurde. Woher nimmt Herr Scholz dann seine eingebildete „wir können nichts von Norwegen lernen“-Haltung? Ich kann es euch nicht sagen. Und wenn dann im schlechtesten Fall nur EUR 83.167,23 Kapital zum Tod übrig bleiben, dann können wir noch 1,3 Jahre länger leben oder die Erben freuen sich (also ich würde mich ja schon über das eher realistische Millionenerbe freuen). Aber sein wir mal nicht so pessimistisch, denn die vielen Punkte, die die Rechnung für Aktien verschlechtern, sind Extrembeispiele und man darf auch nicht vergessen, dass die Aktienanlage eine Ergänzung sein sollte und kein Ersatz.

Finanzbildung

Wenn einem niemand erklärt wie das funktioniert, dann hat man immer nur den Rückblick. Man sieht (in der Bild-dir-ihre-Meinung) wie rückblickend die Millionäre, Banken und Hedge-Fonds sich dumm und dämlich verdienen. Natürlich muss man da anfangen zu glauben, dass es diesen Marktteilnehmern vorbehalten ist.

Jeder beschäftigt sich Wochen lang mit dem Verkaufsprospekt eines neuen Autos, er fährt Probe, rechnet nach, recherchiert. Aber die Medien wollen uns einreden es sei normal, dass man sein hart erarbeitetes Geld an der Börse nur verzocken kann, weil man einfach alles in die Telekom Aktie oder Wirecard investiert und die Menschen glauben es einfach? Denkt mal drüber nach.

Das finde ich unfassbar, dass die Politik uns Anleger nicht unterstützt! Dass Olaf Scholz sich bei einem 5-Stelligen Einkommen nicht um seine Rentenlücke sorgen muss, das sollte klar sein. Ich erinnere an Herrn Norbert Blüm. 1986 sagte er „die Rente ist sicher“. Heute ist klar, Herr Blüm hat nicht gelogen, also die Rente ist sicher: sicher sehr gering. Im Artikel Der Antiaktionär erklärt der Tagesspiegel detaillierter die unsinnigen Maßnahmen des Herrn Scholz.

Wie andere Länder den Aktionär unterstützen

Die Selbstverständlichkeit sein Geld in Aktien zu investieren machen uns viele Länder vor. Aktien sind in vielen Ländern fest etablierte und politisch geförderte Anteile an der Rentenvorsorge der Bürger.

Die Politik kann also auch Anders. Denn es heißt ja nicht „Brasilian Fear” oder so. Also schauen wir uns an, was die Politik in anderen Ländern macht um nicht gegen, sondern für die Aktienanlage zu motivieren und das Vorhaben zu fördern:

USA

Der US-Staatsbürger wird nicht gezwungen zu einem Aktieninvestment. Aktuell sind 54% der Arbeitnehmer in einer betrieblichen Altersvorsorge die zu 67% in Aktien investiert. Durch den hohen Aktienanteil in den 401(k)-Plänen schneiden die Renditen fast die 10% Marke. Jetzt könnte man erahnen, dass zum Beispiel im Zeitraum von 2007 bis 2013 durch die Finanzkrise die Rendite stark eingebrochen ist. Aber nein, selbst dieser kurze Zeitraum reicht aus um im Durchschnitt 10,9% Rendite zu erwirtschaften. Obwohl der Wert durchschnittlich um 25,8% im Finanz-Crash-Jahr 2008 gefallen ist. Es lohnt sich also im Land des Kapitalismus. Gleichzeitig kann innerhalb des Rentenfonds kostenlos gehandelt werden, da der Staat nur bei einer Entnahme Steuern abzieht.

Großbritannien

Dem Staatsbürger des Club-Aus-Treters wurde mit großem Erfolg aufgedrückt, dass er einer betrieblichen Altersvorsorge automatisch beitreten und nur ausdrücklich widersprechen kann. Das Produkt investiert zu 49% in Aktien (abzüglich Cash-Quoten der Fonds in die investiert wird). So haben 2015 nur 55 Prozent in die betriebliche Altersvorsorge investiert und 2017 waren es bereits 84%. Diese Pensionsfonds erwirtschaften 5,1% im Jahr im Zeitraum von 2000 bis 2016. Kürzere Zeiträume wie zum Beispiel 2011 bis 2016 erwirtschafteten auch schonmal 7,9% jährlich (Quelle: Better Finance).

Bei diesem „Zwang“ haben nur 10% widersprochen. Das zeigt, dass viele Menschen, sicher auch in Deutschland, einfach zu faul sind aber an sich, vor allem wenn es der Vater Staat ja vorgibt, nichts gegen die Aktienanlage hätten.

Großbritannien fördert steuerlich das private Sparen in Aktien und bietet selbst Altersvorsorgeprodukte an.

Der Staat hat hier dafür gesorgt, dass Privatanleger auch eigenständig Aktien in die Altersvorsorge hinein Kaufen kann und stellt so eine erhöhte Transparenz und Gestaltungsfreiräume her.

Daneben wurde in 2015 eingeführt, dass die Kosten für ein Finanzprodukt zur Altersabsicherung 0,75% des verwalteten Vermögens nicht überschreiten dürfen. Das würde bei uns sowohl die in Deutschland seltsamerweise beliebten Lebensversicherungen und auch Fonds, die von Versicherungen oder Banken direkt oder im Rahmen von Rentenversicherungen gerne verkauft und leider auch gerne gekauft werden buchstäblich „vernichten“.

Denn sie geben an die Kunden unverschämt hohe Kostenanteile weiter und unter dem Strich lässt der Deutsche Staat das zu und nimmt seine Rolle der Sparer-Förderung nicht wahr.

Dänemark

Neben der „Standardrente“ ist die staatliche Altersvorsorge durch ein Zusatzrentenmodul ergänzt (ATP). Es hat einen Aktienanteil von 22,5%. Die betriebliche Altersvorsorge ist (fast) erzwungen und beinhaltet 59% Aktien und in der Politik werden die stimmen lauter, die Rendite von aktuell langfristig 5% zu erhöhen, indem der Aktienanteil weniger garantierte Elemente beinhalten soll.

Diese garantierten Bestandteile muss man sich nicht wie „Magie“ vorstellen. Es sind simple Derivate und ähnliche Absicherungsinstrumente, die einfach Geld kosten. Das freiwillige Sparen in Aktien wird steuerlich gefördert.

Interessant finde ich die Definition des Zwecks/Ziels des ATP:

Menschen mit niedrigem Einkommen ein angemessenes Alterseinkommen zu ermöglichen

Es spiegelt für mich eine Antwort auf die mentale Haltung wider, der man oft begegnet.

Ich habe nur wenig Geld, da kann ich nicht an die Börse

… oh doch, Rendite wird in % gemessen und insbesondere wenn man wenig Geld hat, dann freut man sich doch umso mehr über eine Rendite und die Möglichkeit auch kleines Geld wachsen zu lassen. Nichts tun ist nur die 100% Sicherheit, dass wenig Geld auch wenig Geld bleibt.

Schweiz

Auch in der Schweiz ist ein abhängig Beschäftigter ab einem bestimmten alter/Einkommensgrenze verpflichtet in Wertpapiere zu investieren, um für das Alter vorzusorgen. In der Schweiz gibt es große Pensionsfonds, die so gestaltet sind, dass sich Unternehmen leicht anschließen können.

Schweden

Auch in Schweden ist man ab einem bestimmten Alter/Einkommensgrenze verpflichtet in Wertpapiere zu investieren, um für das Alter vorzusorgen. Zudem wird eine betriebliche Altersvorsorge AP 7 Såfa für ca. 90% der Arbeitnehmer organisiert, die dann satte 92% Aktienanteile beinhaltet und eine Rendite von ca. 9% jährlich erwirtschaftet. Obwohl dieser Teil der Altersvorsorge natürlich Marktschwankungen unterliegt, sanken die jeweils ausgezahlten Renten nicht mal in der Finanzkrise 2008 unter den eingezahlten Betrag. Verglichen mit dem oberen Beispiel ist das auch plausibel. Auch in meinen Rechnungen ist selbst ein Komplettverkauf im Corona-Crash weit entfernt gewesen von einem Verlust von Geldern.

Kanada

Neben der steuerfinanzierten Rente hat die staatliche Rente eine Pensionskassen-Komponente. Das ist keine neue Erfindung, der wurde 1966 gegründet. Diese Pensionskasse investiert zu 39% in Aktien. Ein abhängig Beschäftigter hat die Möglichkeit steuerlich begünstigt im Rahmen der betrieblichen Altersvorsorge zu sparen. Hierbei liegt der Aktienanteil bei 29%. Der „Canadian Pension Plan“ erwirtschaftet ca. 10% im Jahr in den letzten 10 Jahren und das sogar inflationsbereinigt.

Spannend ist, dass der Pensionsfond ausgegliedert wurde in eine Non-Profit-Organisation. Eine Voraussetzung für ein Vorstandsmitglied ist, dass er nicht Teil der Regierung sein darf. Ob das gut oder schlecht ist, da kann man sich sicher streiten. Aus meiner ganz persönlichen deutschen Erfahrung bin ich eher der Meinung: Das ist gut!

Daneben hat Kanada auch viel für die private Vorsorge getan. „Registered Retirement Savings Plans“ sind Investmentsparkonten mit Steuervorteilen bei denen hauptsächlich in ETFs investiert wird. „Tax-Free Savings Account“ sind geförderte Sparpläne ohne Renten-Kontext in denen auch in ETFs oder andere Produkte gespart werden kann. Bei diesen Produkten gibt der Staat lediglich die Rahmenbedingungen vor (Maximalanteile oder Definition von angemessenen Risiken).

Australien

Der australische „Superannuation Guarantee“ erwirtschaftet, immerhin bereits seit 1996, durchschnittlich 6% Rendite (Quelle: Australian Government Productivity Commission). Der Sparer muss keine Zulagen beantragen oder separate Verträge abschließen, er erhält automatisch staatliche Zulagen.

Ab dem 1. Juli 2017 müssen alle Mitgliedskonten mit Standard-Anlageoptionen in MySuper-Produkte investiert werden.

Die MySuper-Änderungen zielten darauf ab, der überwiegenden Mehrheit der australischen Arbeitnehmer, die in die Standardoption ihres aktuellen Fonds investiert sind, ein einfaches, kostengünstiges und ausgewogenes Produkt anzubieten.

Deutsche Übersetzung von treasury.gov.au

Neben dem Pflichtteil kann man in Australien auch freiwillig und steuerlich begünstigt (bis zu EUR 315,00 Rückerstattung im Jahr) zusätzlich in den Superannuation-Fond investieren. All seine Investitionen sind bei einem Arbeitgeberwechsel vollständig portabel.

In Australien erfolgt keine Doppelbesteuerung auf Dividenden. Wer innerhalb der Sparphase verkauft zahlt nach einem Jahr Haltefrist 1/3 weniger. Wer in der Rentenzeit verkauft zahlt gar keine Steuern! Gute Idee!

Hier nimmt der Staat seine Rolle ernst, er empfiehlt nicht das Sparbuch, er schafft lohnenswerte Produkte und zwingt Arbeitnehmer auch privat vorzusorgen und unterstützt/fördert Sparer, die darüber hinaus mehr sparen wollen. Auch an die Betriebe wurde gedacht, denn die Einzahlung durch die Betriebe erfolgt digital und optional in einer Überweisung. Davon träumen deutsche Unternehmen.

Auch interessant ist, dass die Sparer die Möglichkeit haben statt in MySuper, der Standardlösung in alternative Fonds zu investieren. Das ist darum interessant, weil diese Fondsperformance veröffentlicht wird und somit Konkurrenz für ein gutes Produkt entsteht, was dem Anleger zugutekommt.

Fazit

Schwer zu glauben, dass Olaf Scholz, das alles hier nicht weis. Vermuten könnte man, dass es natürlich inkonsequent wäre die Aktienanlage kostspieliger zu gestalten um Steuereinnahmen zu generieren und sie dann gleichzeitig per Staatsapparat zu empfehlen. Schließlich können wir Privatanleger uns nicht wehren. Wenn wir also schon nicht in dieser Entscheidung gefördert werden, dann nehmen wir es doch als Chance. Wenn uns keiner zwingt in einen Staatsfonds zu investieren, dann haben wir gleichzeitig die Chance uns noch rentablere Anlagen selbst auszusuchen. Auf geht’s!

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4 Antworten auf „Olaf Scholz, unser eingebildeter Antiheld“

[…] schlimmsten Fall gar so viele, dass du „Haus und Hof“ aufs Spiel setzt, auch wenn deine Positionen noch so klein sind, welche du lobenswert erstmal […]

[…] die uns in irgend einer Form von der Aktienanlage abhalten sollen. Garniert mit einer gehörigen „Olaf-Scholz-Antiaktionärsmentalität“ sollten wir die Augen öffnen und langfristig rational Investieren und nicht mit einer […]

[…] Olaf Scholz, unser eingebildeter Antiheld […]

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