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Die unbegründete Angst vor dem Crash

Insbesondere wir Deutschen haben unfassbare Angst vor dem Crash. Ständig wird irgendwie abgesichert und versucht schlauer zu sein als der Markt. Oft wird auch enorm viel Cash gehalten oder sehr zögerlich in die Märkte investiert. Ich beleuchte hier, wie begründet die Angst vor dem Crash wirklich ist.

Als ein Baustein meines Beitrags zum Thema “German Angst” habe ich die Angst vor einem Börsen-Crash, insbesondere in der deutschen Bevölkerung, untersucht. Schließlich wäre ein beliebtes Vorurteil:

Du kannst an der Börse alles verlieren.

Wir müssen den Crash einfach kennenlernen, damit wir sehen wie wir ihn nutzen können.

Was ist die Fratze des Crashs?

Crashs sind an der Börse keine besonderen Ereignisse. Es gibt ständig schlechte Phasen an der Börse, Crashs, Flash-Crashs und so weiter. Alle bisherigen Crashs haben sich als gute Kaufmöglichkeiten herausgestellt. Als langfristig orientierter Investor, der für seine Rentenlücke sparen will, haben wir so viel Zeit, dass wir sicherlich noch einige Crashs miterleben dürfen. Es erschließt sich automatisch durch den langen Anlagehorizont.

Von einem Crash spricht man (uneindeutig-definierter-weise) bei Kurseinbrücken ab 25% vom Hochpunkt. Das kann über Monate oder Tage passieren. Hier eine Liste der größten Crashs. Das ist Börsengeschichte, also Lernenswert!

Bisherige Crashs

  • 07.02.1637: Umgerechnet waren im Hoch-Punkt der Tulpenmanie Tulpenzwiebeln EUR 102.800,00 an der Börse Wert. So mündete der erste bekannte Börsencrash in einen 95% Einbruch an den Börsen innerhalb eines Monats. Verwunderlicher Weise nicht in einem 99,9% Verlust.
  • 24.09.1969: Der erste schwarze Freitag. Der Goldpreis fällt um 20%. Warum? Man könnte meinen es war wegen Wallstreetbets. Damals haben sich die beiden Investoren Jay Gould und James Fisk in einer Investmentgruppe vereinigt und beschlossen den Goldpreis auf 200$ zu pushen. Damit haben sie dann öffentlich geprahlt. Diese Art Story ist also fast hundert Jahre alt liebe Gamestop-Freunde.

Ab hier gibt es nun einen übersichtlicheren Chart für die aktuellen Vorkommnisse:

Quelle: https://www.morningstar.com/features/what-prior-market-crashes-can-teach-us-in-2020
Logarithmischer Chart (Skala zeigt jeweils Verzehnfachungen)

Den schlimmsten Börsencrash haben wir alle wohl gar nicht miterlebt, es war 1929. Die große Depression. Er war darum der Schlimmste, weil es 7 Jahre gedauert hat, bis die Aktienmärkte neue Höchststände erreicht haben.

Wenn man sich den Kurs nun ansieht, dann mal Hand aufs Herz: Wer sich nicht mit Börse beschäftigt und für den das alles Neu ist: Wenn ich den Kurs zeigen würde und gesagt hätte, das ist die Entwicklung einer französischen langlaufenden Staatsanleihe, die Börse schwankt natürlich mehr. Ich glaube man hätte mir das abkaufen können.

Der Crash als Kaufgelegenheit

Wie man sehr eindrucksvoll sieht, war wirklich bisher jede Krise und jeder Crash eine Kaufgelegenheit. Das sind 150 Jahre Börsengeschichte. Damit man hier besser abschneidet, sollte man einfach nachkaufen. Klingt zu simpel, ist aber die pauschale Lösung des Problems von vielen Neulingen (dem optischen Depotauszug). Wenn man ganz simpel einen weltweit diversifizierten ETF bespart, dann muss man sich über Crashs sowieso keine Gedanken machen und freut sich einfach, dass man in schlechten Zeiten mehr Anteile für das gleiche Geld kauft. Da man diese Aussage nicht einsam stehen lassen kann, weil es zu oberflächlich ist „einfach nachzukaufen“: In meinem Artikel zur Dividendenstrategie habe ich detailliert untersucht wie man nachkaufen sollte.

Corona-Crash-Rekord

Unser neustes historisches Börsenereignis, der Corona-Crash, sorgte für 40% Kursverfall, recht normal, jedoch ist die Schnelligkeit rekordverdächtig. 1990 ist zum Beispiel der japanische Nikkei Index auch um ca. 40% gefallen, jedoch innerhalb von 9 Monaten. Die Crashs davor sind im Chart zumindest zu sehen, denn auch sie dauerten deutlich länger und waren eher Crash-Phasen.

Zukünftige Crashs

Ich kann nur vermuten, dass in der heutigen Zeit durch Faktoren wie dem perfektionierten Hochfrequenzhandel und technisch besser ausgestatteten (Privat-) Investoren diese Geschwindigkeit bei den folgenden Crashs beibehalten wird. Heute existieren für jeden Möglichkeiten des schnellen Ausstiegs, was Kurse natürlich schneller bewegen kann. Ich persönlich bin kein Verfechter aber auch kein Ignorant der Historie, würde aber eher dazu tendieren, dass wir in der Zukunft bei Crash-Ereignissen ähnlich schnelle Abverkäufe sehen werden. Gleichzeitig aber auch ähnlich schnelle Erholungen erleben können.

Das Risiko alles durch Crashs zu verlieren

Es existiert einfach nicht! Du verlierst nicht alles, du verlierst 10, 20, 30 oder auch mal 50% des Buchwerts in der höchsten „Pechphase“. Aber auch nur, wenn du dann gierig wirst und verkaufst. Denn es gibt keinen Grund im Tiefpunkt zu verkaufen und ich halte das meistens sogar eher für Gier als für Angst. Ihr habt sicher auch schonmal gehört:

Nein, ich warte noch. Es wird sicher noch billiger!

Ein Mensch, der dann nie gekauft hat. Es wurde nicht mehr billiger. Er kaufte dann etwas, dass noch billiger wurde, statt das Qualitätsunternehmen, dass er hätte kaufen sollte.

Oder – auch beliebt:

Ich verkaufe, das ist jetzt der Hochpunkt. Ich steige günstiger wieder ein.

Ein Mensch, der seine beste Aktie nun nicht mehr hat. Er findet auch keinen Einstieg mehr unter seinem Verkaufskurs. Mit einem nun schlechteren Depot trauert er der Aktie täglich hinterher.

Niemand weis was passiert. Aber entweder, man ist einfach nicht daran interessiert was jetzt passiert und gelangweilt genug um einfach nichts zu tun und es auszusitzen oder man kauft mit der Schrotflinte einfach stufenweise immer weiter nach (wenn das Cash existiert). Alles Andere sorgt für verpasste Chancen. Mir wäre keine andere Strategie bekannt wie man als langfristiger Investor ein antizyklisches Depot aufbauen können sollte als starke Unternehmen (oder ETFs) in Schwächephasen zu kaufen oder ständig zu kaufen und Locker zu bleiben, wenn es schwankt. Als langfristig orientierter Investor haben wir keine Angst vor dem Crash, wir wünschen ihn uns herbei oder er ist uns egal!

?

Wir sind einfach immer cool,
cool, wenn es hochgeht,
cool wenn es heruntergeht.

Das Renditedreick

Update: Wir haben nun ein Rendite-Dreieck-Tool integriert, mit dem Ihr Live euer eigenes Renditedreieck zeichnen könnt.

Wer mir in meinen Ausführungen jetzt nicht allzu viel Glauben schenken will. Dem kann ich noch das Deutsche Aktieninstitut nahelegen. Hier werden regelmäßig neue Rendite-Dreiecke veröffentlicht.

Ich bin mal so frei und bette das aktuelle Dreieck des DAX hier ein:

Renditedreieck des MSCI World

Weil es Herrn Christian W. Röhl auf den Geist ging, dass der DAX so ein nett anzusehendes Dreieckchen hat und der MSCI World nicht, hat er das in die Hand genommen unter. Sein Blog ist auch ansonsten Lesenswert!

Vielen Dank dafür, Mr. Disclaimer. Sie helfen der deutschen Aktienkultur weiter und das meine ich ernst!

Was sagen uns die Dreiecke? Ganz simpel: Die Jahresrendite ist immer wieder positiv, desto länger man investiert ist. Man muss sich vorstellen, dass durch die „Einmal im Jahr“-Kauf Simulation dieses ganze Marktrauschen entfernen kann und die Kurve wird viel glatter ohne die Ausschläge in beide Richtungen. In meinem Experiment zum Thema „Ein Depot, dass alle Skandalaktien kauft“ habe ich die langfristige Rendite von, (salopp) schlechten Aktien beleuchtet. Wenn man nun diese Simulation heranzieht und dann die Wertentwicklung des Portfolios mit einer Quartalskurve vergleicht, dann sieht es auch im Depot nicht mehr so aus als müsste man großartig emotional werden, in einer Jährlichen Ansicht würden so gesehen fast alle Spitzen noch flacher werden. Die Börse neigt eben zu Übertreibungen in beide Richtungen.

Fazit

Angst vor dem Crash ist irrational. Zwischen Crash und Crash, Einzelwertrisiken auf die Medien so gerne draufspringen, ignoranten politischen Gegebenheiten und der übergeordneten German Angst, die über allem zu thronen scheint, gibt es kein Argument, dass gegen eine gemütliche, Zock freie und langfristige Aktienanlage spricht.

Und wer endlich damit anfängt, der wird auch jedes Jahr besser im Ertragen der Kursschwankungen. Denn im Rendite-Dreieck muss man nicht lange suchen für +15% Rendite Zeiträume, die ebenso die Ausnahme sind aber insgesamt häufiger vorkommen. Wer sich daran gewöhnt, der gewöhnt sich auch an die andere Richtung.

Und noch ein Nachtrag: Was ist mit Stagnation wie in Japan?

Japan wird oft angeführt, es crashte im Nikkei Index und danach kam der Kurs nie wieder dort hin wo er mal 1990 war. Ja, passiert natürlich auch, das kann auch dem DAX oder jedem anderen Länderindex passieren. ABER, wer kauft denn 1990 einmal den Nikkei Index und kauft nicht nach oder kauft noch weitere Titel? Jedes Jahr nachkaufen/sparen und schon hat man heute eine fantastische Dividendenrendite. Ganz zu schweigen, dass der Nikkei sich seit 2013 auch mal verdoppelt hat und man bei einer engmaschigen Sparrate fast 15 Jahre lang viel mehr Anteile für seine Sparrate erhalten hätte. Also bitte: Ja, der Index ist schlecht gelaufen, aber nein, es ist kein Grund bei einer langfristigen, weltweit diversifizierten Investition in Aktien zur Verbesserung der Rentenlücke ein Negativbeispiel erkennen zu wollen.

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4 Antworten auf „Die unbegründete Angst vor dem Crash“

[…] Geduld! Der Markt steht am Anfang, dass bedeutet, es wird aller Wahrscheinlichkeit nach nicht in einem Monat ein exponentielles Wachstum zu sehen sein. Es braucht Zeit, vorallem in Bezug auf die Legalisierung. Rechne eher mit einigen Jahren, als mit Monaten. […]

[…] Dazu definieren wir den Tiefpunkt als 23.03.2020. Alle anderen Berechnungen bleiben gleich. Das war der absolute Tiefpunkt des Crashs. Mehr zur unbegründeten Angst vor Crashs. […]

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