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Finanzmedien sind Skandal-fokusierte Angst-Schürer

An den meisten Tagen passiert an der Börse: Nichts! Und selbst an den meisten Tagen an denen etwas passiert, ist eigentlich nichts passiert. Trotzdem passiert bei den Finanzmedien jeden Tag recht viel.

Ein Beispiel gefällig?

Es ist der 10.02.2021. Heute gehts etwas runter aber gestern (09.02.2021) waren die Märkte Flach… Flat wie man so schön sagt. Hier ein Chart vom DAX mit Candlesticks. Jede Kerze ist ein Tag. Man sieht also, die vorletzte Kerze ist relativ klein, es ist wenig am deutschen Markt passiert, ähnlich beim Nasdaq, Dow Jones oder S&P500. Es ist einfach nichts los gewesen:

Jeder Kerze ist ein Tag, es geht also um dieses eine winzige Ding in der Hervorhebung. Links sehen wir den Corona-Crash im März 2020.

Man könnte also annehmen, dass kein Verlag (neben den ein oder anderen Unternehmensmeldungen) etwas zu der aktuellen Marktsituation zu sagen haben könnte.

Und genau darum geht es, sie finden immer etwas. Die Redakteure sitzen den ganzen Tag vor dem Rechner und müssen einfach irgendwas schreiben.

Headlines auf finanzen.net

  • Dow verfällt in Lethargie
  • Osteuropas Börsen schließen mehrheitlich tiefer
  • Dax & Co nach Rekorden zu Wochenbeginn wieder im Minus
  • “Euphorie ist zurück”
  • Dax-Anleger halten sich nach Rekord zunächst zurück

Headlines auf cnbc.com

  • The stock market is on a ‘highway to the danger zone,’
  • Nearly half of U.S. workers suffer from mental health issues since Covid-19 pandemic hit, report finds
  • Jim Cramer offers strategies to capitalize on the next market sell-off

Headlines auf bild.de

Die Bild-Zeitung ist kein Finanzblatt, sie schafft es trotzdem was zum aktuellen Markt zu sagen:

  • Warum Sie Ihr Depot jetzt umbauen müssen
  • Bei diesen ETFs ist Ihr Geld sicher angelegt

Viele sprechen auch von der Finanz-Pornografie. Menschen suchen in ihrem Confirmation-Bias nach Gründen warum es jetzt Sinn ergeben soll genau das zu tun, was man grade selbst vorhat. Kaufen oder Verkaufen? Meist ist es clever nichts zu tun, jedoch gibt einem jeder Verlag immer die Möglichkeit seinem Confirmation-Bias zu frönen. Für jeden ist was dabei, von Euphorie, Depotumbau, schlechten Zukunftsaussichten oder Angstbestätigung. Jede individuelle Emotionslage wird bedient, immer.

Achtung!

Wenn du eine Überschrift liest wie:

Erfahren Sie von Hans Meiser, wovor die Finanzwelt die größte Panik hat und wie Sie damit jetzt reich werden können.

Dann entscheide dich dafür zu rennen, ganz weit zu rennen. Gleiches gilt für geheime eBooks, kostenlose Bücher, YouTuber die euch mit oder ohne AMG im Hintergrund oder kostspieligen Börsenbriefen reich machen wollen und alles was die Zielgruppe der emotional Verzweifelten anspricht. Ihr erkennt auch mittel seriöse Verkäufer ganz gut an der Eigenschaft, dass sie mit dem einen von 100 Investments auf ihren Gesamterfolg schließen wollen und damit prahlen. Niemand macht euch reich, die Börse ist ein Marktplatz, es ist euer Geld und ihr müsst euch selbst bis zum gewünschten Grad schlaumachen wie man mit diesem Werkzeug Rendite erwirtschaftet.

Es wäre falsch immer alles zu verharmlosen, eine gesunde Skepsis gegenüber dem Markt aber auch den Motiven der seriöseren Verlage sollte jeder mitbringen. Ob eine Prophezeiung nun wahr wird oder nicht, das ist nicht relevant, es ist Zufall (bzw. das Spiel mit Wahrscheinlichkeiten). Für einen langfristigen Investor ergibt es nur Sinn in Situationen, wenn man etwas wissen will, zu recherchieren – nicht ständig mitzulesen. Desto weniger man sich berieseln lässt, desto emotional stabiler ist und wird man. Oft führt auch zu viel Wissen um jedes Makroproblem zu einem festen Glauben, dass der Markt nun fallen muss.

Was mir bei Finanz-Medien fehlt

Mir fehlt ganz besonders die Rollen-Erfüllung des Banken-Gegners durch unsere Medien. Ich würde mir wünschen, dass Finanzverlage ihre Rolle wahrnehmen und Privatanleger beraten. Sie sollten Sie beraten, was eine gute ETF-TER ist, wie man eine Anlageentscheidung treffen kann, wie man Gebühren spart, aber auch welchen Personen man für welches Mindset zuhören sollte. Also alles, was Banken in Ihrer Beratung nicht machen, da sie dadurch weniger Geld verdienen.

Zwischenfazit: Tägliche News schüren Unsicherheit, naturgemäß sorgt jeder Verlag dafür, dass er die Schwarzmaler und die Euphorisierten gleichermaßen bedient und verleitet somit zum Handeln durch Angst. Der Angst, dass es ja sein könnte, dass sie recht haben.

Hat die Börse speziell den Deutschen etwas Böses angetan?

Au Ja! Die böse Börse hat so viele Schicksale vernichtet! Entschuldigt die Ausdrucksweise… Ich präzisiere das nochmal, damit klar wird, warum ich kein Mitleid empfinde: „Die böse Börse hat so viele gierige Schicksale vernichtet, die naiverweise angenommen haben die Börse wäre immer nett und hat Geld zu verschenken“. Sehen wir uns diese fiesen Aktionen der Börsen mal genauer an und wie die Schlagzeilen dazu aussahen:

Die Deutsche Telekom Aktie Jeder ist draufgesprungen

Wenn man so einen Kurs sieht, was denkt man dann? Genau, das Falsche. Die Telekom Aktie ist bei vielen Deutschen ein eingebrannter Alptraum. Am 28.06.1999 hat die Deutsche Telekom ihren 2. Börsengang hinter sich gebracht. Am 19.06.2000 dann seinen 3. Börsengang. Danach hat sich der Dotcom Crash ausgebildet. Damals wurde alles mit Internetverbundenheit gekauft wie blöd aber eigentlich waren die Medien mit der damaligen „Sau im Dorf namens Volksaktie“ ausschlaggebend, dass Privatinvestoren einfach blind investiert haben. Machen wir uns nichts vor, heute wird alles wo Elektromobilität, Wasserstoff aber auch Software dran steht gekauft wie blöd. Vor einigen Jahren wurde Cannabis gekauft wie blöd, davor wurde 3D-Druck gekauft wie blöd.

Hat das etwas mit einer langfristigen Geldanlage zu tun?

Nein, sicher nicht und es hat auch heute nichts damit zu tun. Es ist ein Zock, es ist einer der Gründe warum Privatinvestoren denken könnten, an der Börse geht es nur genau so immer zur Sache. Das tut es aber nicht, es ist absolut abnormal, dass eine Aktie sich so „benimmt“. Die Normalität ist, dass erfolgreiche Unternehmen wachsen. Also, selbst wenn damals jemand einzelne Aktien vor ETFs favorisiert hätte, dann ist er ein absoluter Vollidiot (sorry Buddy) gewesen mehr Telekom Aktien zu kaufen als vielleicht 5% seines Kapitals.

Wer bei dieser Geschichte das Leaning „ich habs doch gesagt, Börse ist Teufelszeug“ mitnimmt, der hat schlichtweg nichts verstanden. Selbst wenn man annehmen würde, dass es nur die Telekom Aktie geben würde, dann hätte man mit der Telekom Aktie den deutschen Aktienindex in den letzten 10 Jahren um 99% überboten. Zudem hätte man weitere 64% durch Dividenden verdient. Zusammengefasst: während in den letzten 10 Jahren der DAX 90% an Wert gewonnen hat, hat die Telekom Aktie 189% zugelegt und inklusive Dividenden sogar 253%. Also ist die Lösung: Natürlich gemäß seiner Portfolio-Gewichtungs-Strategie nachkaufen oder liegenlassen, am Ball bleiben, Emotionen ausschalten, sie haben an der Börse nichts verloren. Wer aber ganz oben kauft, ohne nachzudenken und dann ganz unten verkauft, ohne nachzudenken und dann auch noch 80% seines Vermögens investiert hat, dem ist schlichtweg nicht zu helfen. Der wollte aber auch nicht investieren, der wollte Zocken.

Die Wirecard Aktie Lug & Trug bei der deutschen Technologiehoffnung

Es gilt das gleiche Spiel wie bei der Telekom, wer mehr dazu erfahren will, auch ich war dabei und habe meinen Fehler zu denen Wirecard gehörte (jedoch nicht den Kauf selbst) in meinem Beitrag: “Meine Fehler an der Börse im Jahr 2020” noch etwas detaillierter beleuchtet. Für einen Investor, der Wirecard zu 1% oder auch 5% im Depot gewichtet, war das gar kein sonderliches Problem. Wirecard war zum Beispiel zu dem Zeitpunkt im DAX. Der DAX war an dem Tag, glaube ich sogar im Plus, so wenig hat es den DAX interessiert. Für den langfristigen diversifizierten Investor ohne Zock Bedürfnis also völlig irrelevant.

Die schlechte Börsenkultur bei den Deutschen kommt ja auch daher, dass dann nur das Negative in den Medien kommuniziert wird. Negatives Cherry-Picking, dadurch wird uns (ggf. versehentlich) versucht klarzumachen, dass es nur Verlierer gibt. Gleichzeitig wird uns versucht klarzumachen, dass nur große Hedgefonds die Gewinner sein können. In der Realität gibt es aber neben der simplen Lösung ETF (praktisch ohne Einzelwert-Risiko) auch die simple Möglichkeit 50 Werte in sein Depot zu packen und dann nur müde über eine Telekom im Jahr zu lächeln. Ich werde nicht müde es zu schreiben, Diversifikation und das Nachkaufverhalten sind auch hier der Schlüssel zum Glück.

Die Volkswagen Aktie Der Dieselskandal

Im Herbst 2015 wurde klar, was der Kurs schon lange vorher teils eingepreist hatte. Volkswagen hat bei Abgastests getrickst. Neben Volkswagen ist natürlich auch BMW und Daimler im deutschen Leitindex DAX, das hat natürlich auch dazu geführt, dass der gesamte DAX gelitten hat. Hier gibt es natürlich wie bei jeder Aktie das Einzelwert-Risiko, hinzu kommt aber noch das Branchen-Risiko, dass hier voll zugeschlagen hat.

Das Ansehen aller deutschen Autobauer hat gelitten. Diesen Skandal hätte man zum Beispiel mit einem weltweit diversifizierten MSCI World ETF vermieden, zumindest bzgl. des eigenen Aktien-Depots. In meinem Artikel zum DAX habe ich auch geprüft, ob er wirklich “so schlecht” ist wie man oft liest. Mein Fazit ist: Ja, denn er hat kaum Technologie inne und viel “Zukunfts-verweigernde Automobilbauer”, sowie “ebenso Zukunfts-verweigernde Banken” und langsame Industrie. Das dürfte der naturgemäße Hauptgrund sein, warum der DAX sich nicht als Basisinvestment eignet.

Die schlechten Erfahrungen sind also übertrieben. Sie müssten eigentlich gute Erfahrungen sein, die gute Erfahrung, dass Aktienmärkte langfristig steigen.

Wir haben ja noch viele andere kleinere Skandale… von Sex-Partys bei der Ergo (Münchner Rück Versicherung), bis hin zu Zinsmanipulationen bei der Deutschen Bank. Diese Skandale, Hypes, Insolvenzen gibt es ständig, überall. Der MSCI World, also das Symbol für die Weltwirtschaft (ohne Emerging Markets) steigt trotzdem, der gesamte Aktienmarkt steigt trotzdem. Denn es sind nur negative Einzelschicksale. Man hat das Einzelwertrisiko eben gar nicht, wenn man in einen großen ETF investiert. Und man muss es auch relativ sehen, denn bei einem Anlagehorizont von 10 Jahren ist es schwer mit konstanten Sparraten oder Einzelnachkäufen bei der Telekom oder VW im Minus zu sein.

Beweis gefälligst? Gerne:

Was passiert langfristig mit einem Depot, dass alle Skandale mitnimmt?

Genau das habe ich in diesem Beitrag simuliert.

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3 Antworten auf „Finanzmedien sind Skandal-fokusierte Angst-Schürer“

[…] rechnet nach, recherchiert. Aber die Medien wollen uns einreden es sei normal, dass man sein hart erarbeitetes Geld an der Börse nur verzocken kann, weil man einfach alles in die Telekom Aktie oder Wirecard investiert und die Menschen glauben es […]

[…] Die Medien haben ihren Teil dazu beigetragen, dass wir heute denken, die Telekom-Aktie, der Dieselskandal, Wirecard und der schlecht laufende Dax sind Gründe, die uns in irgend einer Form von der Aktienanlage abhalten sollen. Garniert mit einer gehörigen „Olaf-Scholz-Antiaktionärsmentalität“ sollten wir die Augen öffnen und langfristig rational Investieren und nicht mit einer garantierten Inflation zufrieden (oder besser passiv unzufrieden) sein. Erst recht sollten wir uns nicht von Medien ein verstärktes Unsicherheitsgefühl einreden lassen, wenn schon die größten Börsenskandal-Aktien eine Rendite von fast 7% abwerfen. […]

[…] Finanzmedien sind Skandal-fokusierte Angst-Schürer […]

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